Sieger jammern nicht! Hören Sie auf, sich selbst im Weg zu stehen | Art of Success

Sieger jammern nicht! Hören Sie auf, sich selbst im Weg zu stehen

Vor allem Verlierer, Verweigerer und Loser verfallen oft in die Rolle des Opfers und beginnen zu jammern. Sieger erkennen das und verhalten sich anders!
Erfolg
Matthias Wölkner
@Woelkner

Matthias Wölkner ist seit Jahren bundesweit tätig als Unternehmensberater, Coach und Trainer. Er berät, coacht und trainiert Führungskräfte aller Branchen und deren Mitarbeiter in allen Fragen des Change Managements, der Vertriebsoptimierung, der Erfolgskommunikation, der Mitarbeiter- und inneren Führung. Eben weil die innere Führung in unseren hektischen Zeiten in den letzten Jahren so dramatisch an Bedeutung gewonnen hat, macht er neuerdings auch Dauerhochleister stressimmun, souverän, gelassen und dauererfolgreich.

Was fällt dem Chef ein, mich derart herablassend zu behandeln! Wie der heute wieder drauf ist! Auch die lieben Kollegen stellen sich mal wieder superdämlich an und meine Familie stresst gerade sowieso. Ach, tut das tut, darüber zu reden, Dampf abzulassen – danke, dass Sie mir zuhören. Was liegt Ihnen auf dem Herzen? Möchten Sie es loswerden? Lieber nicht.

Der Jammer-Test

Es gibt in Deutschland eine Volkskrankheit, die mehr Opfer fordert als jede Vogelgrippe: die Jammerkultur. Machen Sie den Test: Gehen Sie in die Kaffeeküche, zapfen Sie eine Tasse und lassen Sie dann vor den üblicherweise dort versammelten Kolleginnen und Kollegen einen Satz fallen wie: „Dieser … (Chef, Kollege, Kunde, Lieferant, Beziehungspartner, Lehrer meines Kindes ..)! Der spinnt doch total! Der raubt mir noch den letzten Nerv!“ Was passiert? Alle jammern, klagen, spotten und lästern munter mit. negative-PersonSelbstverständlich. Warum ist es das?

In Jammerzirkeln

Weil das lustvoll ist und nützlich: Jammern schafft Gemeinschaft, gegenseitige Anerkennung und ein gutes Wir-Gefühl: Happy people on a sinking ship. Ohne Witz: Jammern ist eine zehntausende Jahre alte Sozialtechnik. Jammern ist die einfachste Art, das Teamgefühl zu pflegen: Misery loves company. Ein tragendes Wir-Gefühl ist in sozialen Gruppen so nötig wie der nächtliche Schlaf für einen Menschen – aber muss man denn unbedingt jeden Abend besinnungslos saufen?

Es gibt bessere Mittel

Wenn ich einer Kollegin sage, dass sie heute wieder super aussieht – auch das schafft ein gutes Klima, Gemeinschaft und Anerkennung. Stattdessen beklage ich mit ihr zusammen die „Spinner von der IT-Abteilung, die nie da sind, wenn das verdammte System streikt“. Kommt dadurch der IT-Kollege schneller und bootet das System wieder hoch? Sicher nicht: Wer jammert, ändert nicht. Das ist übrigens noch ein Grund, warum jammern so nützlich ist: Wer jammert, erweckt den Eindruck, unheimlich betroffen und engagiert zu sein – ohne auch nur einen Finger krumm zu machen. Elegante Taktik. Für wen?

Erfolg denkt anders

Ich kann es leider nicht schönender ausdrücken, denn die harte Wahrheit ist: Hauptsächlich Opfer, Verlierer, Verweigerer, Verdränger, Loser und die ewig Zu-kurz-Kommenden denken so. Menschen, die vom Leben bekommen, was sie sich wünschen, denken anders. Die jammern nicht? Doch, natürlich jammern die! Und wie! Schließlich haben auch sie Gefühle, die raus, die artikuliert werden wollen. Sie jammern. Aber sie geraten nicht in eine Jammer-Trance. Sie jammern fröhlich mit; maximal 30 Sekunden – keine 30 Minuten, Tage, Wochen oder Jahre! Nach diesen 30 Sekunden klinken sie sich aus oder sagen Dinge wie: „Und jetzt – was fangen wir damit an? Was unternehmen wir?“ Viele sagen auch: „Das ist Mist, darüber könnte ich mich stundenlang aufregen, das dürfte so nicht sein – aber so ist das nun mal. Und jetzt ändern wir das.“ Das ist leicht dahin gesagt? Im Gegenteil. Dahinter steckt eine ganze Geisteshaltung.

Sieger-Mentalität

Sieger klagen auch – aber eben anders als Opfer. Die Opfer-Mentalität flüstert dem Opfer (meist unbewusst) ein: „Das darf doch alles gar nichts wahr sein! Aber was soll man machen? Ich kann sowieso nichts dagegen ausrichten!“ Opfer werden nicht geboren, sondern gemacht: Die Einstellung macht das typische Opfer. Aber was daran ist typisch? Zwei Dinge, die eigentlich ein und dasselbe sind: Verleugnung. Opfer wollen a) die Realität nicht wahrhaben („Das darf doch nicht wahr sein!“) und sie wollen b) ihren eigenen Einfluss auf die Welt nicht wahrhaben („Kann ich sowieso nichts dagegen tun!“). Ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung, so sagen die Psychologen, ist schwach. Deshalb bleiben sie Opfer. Nicht weil sie wollen oder weil sie zu … (blöd, willensschwach, undiszipliniert …) wären. Sondern weil sie sich mit ihrer unbewussten Opfermentalität unbewusst selber im Weg stehen. Das ist ja lästig! Wie wird man das los?

Who Drives the Car?

Der Beifahrer kann immer nur mosern, wenn ihm was nicht passt. Denn es ist der Fahrer, der das Auto lenkt. Was wollen Sie sein? Beifahrer oder Fahrer? Natürlich ist es manchmal ganz angenehm, sich chauffieren zu lassen und den Fahrer mit üblen Klagen zu überziehen: „Fahr doch nicht so schnell! Die war dann schon gelb! Vor 200 Meter hättest du rechts …!“ Aber auf Dauer taugt das halt nichts: Ewige Beifahrer sind notorisch unzufrieden, unglücklich und dauergereizt – auch deshalb jammern sie ständig. Wie bekommen Sie das Lenkrad des Lebens dann in die Hand, wenn’s drauf ankommt? Das wissen Sie eigentlich schon. Sie haben es eben gelesen.

Hören Sie auf zu jammern!

Natürlich nicht komplett. Eine halbe Minute mitjammern ist für jeden Anlass okay. Aber dann ist Schluss. Das haben Sie sich schon mal vorgenommen? Warum hat es nicht funktioniert? Weil wir oft erst nach Minuten oder Tagen bemerken, dass wir wieder in die Jammerschleife gerutscht sind: Jammern ist lustvoll und niemand denkt lange darüber nach, wenn er der Lust frönt. Wir kennen das vom Bier: Es ist verdammt schwer, zwischen dem zweiten und dem dritten Pils aufzuhören – weil es doch so gut schmeckt! Bei der chronifizierten Jammerei geht es nicht um das Geschmackserlebnis, sondern eher darum, dass wir zu wenig aufmerksam sind, um überhaupt zu bemerken, dass wir gerade schon wieder seit fünf Minuten in der Kaffeeküche stehen und über den Chef lästern. Dafür sind wir im Alltag nicht aufmerksam genug. Nicht? Dann ist es ja einfach: Menschen, die weniger jammern als die üblichen Opfer sind nicht willensstärker, sondern schlicht aufmerksamer. Sie merken schneller, wenn sie mal wieder in Gefahr geraten, in die Jammer-Trance zu rutschen.

Sieger sind achtsamer

Sieger achten auf das, was sie sagen oder denken. Die machen das teilweise ganz offen und direkt: „Hoppla, ich jammere ja schon wieder viel zu lange!“ Opfer kann man nur dann sein, wenn man es nicht bemerkt. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Beifahrer und Fahrer: Fahrer bemerken es, wenn sie jammern, weil Fahrer aufmerksamer auf den Verkehr achten als Beifahrer. Nicht von Haus aus. Achtsamkeit ist wie Tennisspielen: Je öfter man das trainiert, desto besser kann man das auch. Übrigens: Was macht gerade Ihre Atmung? Aus dem Bauch oder doch nur wieder aus der Brust heraus? Sehen Sie, Sie haben eben Ihre Achtsamkeit trainiert. Und was denken Sie? „So achtsam werde ich nie sein!“ Aha, schon wieder ein Jammergedanke: Erkannt und schon gebannt. Was Sie sich achtsam bewusst machen, kann Sie nicht länger unbewusst zum Opfer machen. Das ist übrigens keine Esoterik.

Was Sieger zu Siegern macht, weiß man schon lange

Der Zen-Buddhismus predigt das schon seit 4000 Jahren und deshalb ist das im Augenblick auch der letzte Schrei im Managertraining. Sieger sind nicht besser oder intelligenter. Sie sind einfach nur achtsamer. Sie merken schneller, was abgeht. Und sobald sie das merken, ändern sie es: „Genug gejammert – jetzt wird angepackt!“ Das ist aber sehr anstrengend? Das ist ein Irrtum.

Passivität ist anstrengender als Aktivität

Menschen, die sich unbewusst selbst im Wege stehen, denken oft: „Ich weiß ja, was ich tun müsste – aber das ist so anstrengend! Die Kraft habe ich nicht. Ich kann das nicht. Das ist zu groß für mich!“ Das ist ein Irrtum. Und jeder von uns hat diesen Irrtum schon (mindestens) einmal als solchen entlarvt. Nämlich immer dann, wenn wir eine bestimmte Aufgabe wochenlang vor uns hergeschoben haben: Speicher oder Garage endlich aufräumen, Steuererklärung ausfüllen, ein klärendes Gespräch mit einem „schwierigen“ Mitmenschen führen … Was schieben Sie oft vor sich her – und beklagen immer wieder, dass Sie es „endlich mal“ erledigen müssten? Und wenn Sie es dann endlich anpacken, stellen Sie unweigerlich fest: Jetzt habe ich mich so lange davor gedrückt, versteckt, mir Sorgen gemacht, darüber gejammert – und jetzt ist das so schnell erledigt. Das Verdrängen, sich Sorgen und Herumgejammere hat mehr Energie gekostet als das eigentliche Erledigen. Eher im Gegenteil: Das Erledigen spendet auch noch Kraft! Wie immer, wenn der Mensch aktiv wird. Denn so ist er konstruiert: sich regen bringt Segen. Die Ohnmachtshaltung frisst viel mehr Energie. Man wird förmlich depressiv. Aber das sagt uns wieder mal keiner.

Raus aus der Jammerkultur!

Wir sind Gefangene unserer Kultur: Wie sollen wir denn die Siegermentalität erwerben, wenn alle um uns herum ständig jammern? Die Politiker, die Medien, die Kollegen, die Mitarbeiter, die Kunden, die Lehrer, die Eltern … Und trotzdem gelingt das einigen wenigen: den Siegertypen eben. Die jammern eine Weile mit – und dann steigen sie aus und machen was Besseres. Machen Sie es ihnen nach – und: Verraten Sie es niemandem! Opfer reagieren nämlich allergisch auf die Entlarvung ihrer Opferrolle. Der Sieger genießt und schweigt. Nur wenn Sie jemand danach fragt, dürfen Sie Ihr Erfolgsrezept verraten, weil es nur dann auf fruchtbaren Boden fällt. Erst dann dürfen Sie sagen: Ich pflege meine Siegermentalität – möchtest du auch mal?

Kommentare ansehen (1)

1 Kommentar

  1. Tobias Bauer

    Tobias Bauer

    15. Februar 2015 in 22:42

    Ich habe mir jetzt schon einiges auf dieser Webseite durchgelesen und muss sagen, dass ich vieles auf mein tägliches Leben anwenden kann und es dadurch ein bisschen positiver gestallten zu können.
    Besonders gefällt mir dieser Artikel (Sieger jammern nicht! Hören Sie auf, sich selbst im Weg zu stehen).

    Ich glaub das kennt wirklich jeder dieses ständige jammern, doch man sollte etwas dagegen tun und eben nicht nur jammern.
    ich werde das jetzt selbst mal versuchen auch wenn es glaub ich schwer fällt vor allem am Anfang.

    Vielen Dank für diese tollen Tipps!

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