Von Null auf Hundert und wieder zurück - Warum scheitern nicht schlimm ist | Art of Success

Von Null auf Hundert und wieder zurück – Warum scheitern nicht schlimm ist

Erfolg
Katja Porsch

Katja Porsch war eine der abschlussstärksten Immobilienverkäuferinnen Deutschlands. Heute ist Katja Porsch erfolgreiche Rednerin zu den Themen Erfolg, Motivation und Verkauf, zählt zu den führenden Sales Experten und ist Autorin mehrerer Bücher und Fachartikel.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Tag im Vertrieb. Das war mein erster Arbeitstag überhaupt. Ich hatte grade erfolgreich mein Studium abgebrochen und wollte endlich Geld verdienen. Ohne Ahnung von Vertrieb und Verkauf hatte ich mich bei einem Immobilienvertrieb beworben und nun war ich gespannt, was mich dort erwarten würde.

Mein Chef begrüßte mich an diesem besagten ersten Morgen mit den Worten: „Na, da bin ich mal gespannt, wie lange Du es aushältst. Eine Frau hat es bei mir im Verkauf noch nie geschafft.“ Von dieser Minute an waren wir Freunde. Und mir war klar: „Dir werde ich es schon zeigen“.

Er führte mich in einen großen Raum, setze mich an einen Schreibtisch, drückte mir drei Zettel in die Hand und sagte: „So, jetzt geht Deine Probezeit los. Drei Tage.“ Ich dachte: „Cool, kurze Probezeit.“, doch dann kam der Nachsatz: „Wenn Du in drei Tagen 15 Termine geschafft hast, darfst Du bleiben, wenn nicht, bist Du wieder draußen.“

Während er das sagte, drückte er mir das Berliner Telefonbuch in die Hand, grinste mich an und verließ das Büro. Wums! Da saß ich und wusste nicht wie mir geschieht. Ich starrte auf das Telefon, auf meine drei Blätter Leitfäden in der Hand und dachte: „Hau einfach ab. Sofort raus hier.“ Aber da war noch eine andere Stimme und die sagte:  „Du ziehst das jetzt durch. Die Blöße gibst du dir nicht.“ Mein Stolz siegte.

Ich packte alle meine Ängste beiseite, griff zum Hörer und telefonierte mir drei Tage lang die Seele aus dem Leib. Nach drei Tagen klopfte ich bei meinem Chef an – mit 17 Terminen im Gepäck.

Erfolg und Misserfolg liegen verdammt dicht beieinander

Ich, die als Jugendliche nicht ans Telefon gehen wollte, weil ich nicht wusste wer dran war,  die Scheu hatte mit fremden Menschen zu reden, die überall als schüchtern und ängstlich galt, war auf einmal erfolgreich in der Kaltakquise.

Wie geil war das denn. Wir können anscheinend Dinge, von denen wir  nicht mal ansatzweise denken, dass wir sie fertig bringen – wenn wir sie einfach tun. Das war für mich eine super wichtige Erfahrung. Sie gab mir Kraft und Selbstbewusstsein. Von diesem Tag an, als ich stolz wie Bolle mit meinen 17 Terminen bei meinem Chef vor der Tür stand, bin ich durchgestartet.

Ich gab Vollgas. Ein paar Monate später war ich die beste Verkäuferin des ganzen Unternehmens. Kurz darauf stand mein erster Porsche vor der Tür – ich war 25. Und ich dachte: Yes Katja, Du hast es geschafft.

Mit genau so viel Vollgas, wie ich in Richtung Erfolg steuerte, rauschte ich ein paar Jahre später zweimal in die Pleite. Nicht, weil ich nicht erfolgreich war, sondern weil ich mein Geld nicht bekommen habe. Ich wurde nicht mehr bezahlt. Peng!

Und darauf war ich nicht vorbereitet. Es folgte die für mich härteste Zeit in meinem Leben. Porsche weg, Wohnung gekündigt, Kreditkarte gesperrt, Steuerschulden, eine kaputte Schufa und den Loser-Stempel auf der Stirn.  Ich hatte noch 10 Euro in der Tasche, einen leeren Kühlschrank und keine Idee, wie mein Leben weiter gehen sollte.

Ich vegetierte eine Zeitlang völlig hilflos vor mich hin. Aber dann erwachte mein Kampfgeist. Das sollte es gewesen sein mit meinem Leben? Im Leben nicht. Ich sagte mir: Ok, Katja, du kannst zwar die Umstände nicht ändern, aber du kannst ändern, was du aus ihnen machst. Ich rappelte mich wieder hoch und ich habe das Beste aus ihnen gemacht.

Ich startete durch und gab wieder Vollgas. Heute bin ich eine der erfolgreichsten Verkaufsexpertinnen, gefragte Vortragsrednerin und habe drei Bücher geschrieben. Erfolg und Misserfolg liegen nun mal verdammt dicht beieinander.

Was lernen wir in der Schule?

Das Dumme ist, dass uns weder das eine noch das andere beigebracht wird. In der Schule lernen wir Mathe, Deutsch, Geschichte und ich weiß nicht was noch alles. Aber wir lernen nicht, wie Erfolg funktioniert. Wir lernen aber auch nicht, wie wir mit Niederlagen umgehen und wieder aufstehen. Ganz im Gegenteil.

Das was wir lernen ist: Du darfst nichts falsch machen! Fehler werden sofort bestraft. Wer scheitert, kriegt den Versagerstempel. Wir leben in einer Null-Fehlerkultur, streben nach Sicherheit anstatt nach Erfolg und haben ständig Angst, dass irgendwas schief gehen und wir versagen könnten.

Wer aus der Reihe tanzt wird schief beäugt und wer seinen Erfolg öffentlich zur Schau stellt beneidet. Wie wollen wir so erfolgreich werden? Richtig: gar nicht!

Eine Studie, die ich letztens gelesen habe, drückt seht klar aus, was die Folgen sind. Deutsche wurden gefragt, wie glücklich sie mit ihrem Leben sind. 59% gaben an, sie wären „ziemlich zufrieden“.

Klar, jetzt kann man sagen: „Na Mensch Porsch, was willst du! Ziemlich zufrieden, das ist doch schon mal was. Und für Deutsche ist das doch schon fast euphorisch.“ Aber mal ehrlich, willst du auf deinem Grabstein stehen haben: „Er/sie führte ein ziemliches zufriedenes Leben?“ Also ich nicht. Ich möchte das beste Leben, das ich haben kann.

Denn im Zweifel habe ich nur dieses eine. Und dieses Leben können wir uns holen – jeder von uns. Egal, wo wir grade stehen, was wir erlebt haben oder wie gut oder schlecht es uns grade geht. Ich bin das beste Beispiel dafür.

Allerdings macht es wenig Sinn darauf zu warten, dass der Erfolg zu uns kommt. Es macht auch keinen Sinn auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, um loszulegen. Ich kenne Menschen, die warten ihr ganzes Leben auf diesen Punkt.

Aber irgendwann ist es zu spät. Die australische Buchautorin Bronnie Ware begleitete als Palliativschwester Menschen wo klar war: es gibt keine Hilfe mehr. All diese Menschen haben nicht ihre Fehler bereut, oder das, was schief gegangen ist. Nein, sie haben das bereut, was sie in ihrem Leben versäumt haben.

Was sie nicht versucht haben. Aber als ihnen das klar wurde, war es zu spät. Immer wenn ich mal wieder in die Aufschieberitis verfalle, wenn mir der Mut fehlt Dinge anzupacken, denke ich an diese Geschichte- und gebe Gas. Denn das einzige, wo uns das Leben wirklich in den Hintern treten kann und wir nicht zurücktreten können, ist die Zeit.

Durch meine Erfolge und auch durch meine Pleiten habe ich gelernt: Gib niemals auf. Wenn wir etwas im Leben erreichen wollen, müssen wir es uns holen. Nicht morgen oder übermorgen, sondern heute und jetzt. Wir müssen bereit sein hinzufallen, auch wenn es vielleicht weh tut.

Aber Fehler gehören nun mal zum Leben dazu und sind nichts anderes als ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ziel. Vor allem müssen wir bereit sein, die Verantwortung für unseren Erfolg zu übernehmen. Denn es gibt nur einen der am Steuer unseres Lebens sitzt – und das sind wir.

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